Testberichte

Walkera HM-38

Der Tandemhelikopter HM-38 in Koaxial-Ausführung ist das erste Modell dieser Art von Walkera. Die Pionierrolle auf diesem Sektor übernahm der Twister Skylift , ein Modell auf Basis der kleineren Koax-Helis mit 34 cm Rotordurchmesser und 180er-Motoren. Der HM-38 dagegen ist eine Nummer grösser, wurde mit einem Rotordurchmesser von satten 45 cm angekündigt (auf den Rotordurchmesser komme ich später noch zu sprechen). Das Modell ist dem Typ Boeing/Vertol CH-46 Sea Knight der US Marines nachempfunden; der Twister Skylift übrigens stellt den Typ CH-47 Chinook dar. Walkera bietet das Modell ausser dem Camouflage-Look auch noch mit anderen Lackierungen an, von denen ich allerdings noch keine zum Kaufen gesehen habe. Das Modell kommt in einem kompakten Karton, komplett vormontiert und mit dem für Koax-Helis üblichen Zubehör, also LiPo-Akku, Ladegerät, Netzteil, Sender sowie einem Satz Ersatzrotorblätter. Natürlich fehlt auch die Bedienungsanleitung nicht. Der Heli hat den Postversand nicht ganz schadlos überstanden, so ist am Heck der Rumpf an einigen Stellen eingerissen sowie der hinterste CFK-Stab, mit der die Verkleidung an der Mechanik befestigt wird, gebrochen. An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an den Shop, der mir unbürokratisch, und gratis (!) einen Ersatzrumpf geschickt hat! Sowas nenne ich noch Service am Kunden, nicht einmal langes Warten war angesagt: der Rumpf war binnen weniger Tage bei mir eingetroffen; und das, obwohl eigentlich der Transporteur den Schaden verursacht hat. Mit Schaudern stelle ich mir gerade vor, welcher Spiessrutenlauf begonnen hätte, wenn ich den Schaden bei der Swiss Post angemeldet hätte ... nun aber zurück zum Modell: Der Heli wird - wie nun bei den neuen Walkera-Modellen standardmässig - mit einer 2.4 Ghz-Fernsteuerung ausgeliefert. Passende AA-Batterien sind nicht beigelegt, finden sich aber sicher in den meisten Haushalten oder sonst halt im nächsten Laden.

Der Sender, immer noch die altbekannte Gehäuseform, nun aber in edlem Silberlook, macht einen qualitativ besseren Eindruck als die Exemplare, die ich bisher in den Händen hielt. Die Kreuzknüppel haben weniger Spiel als frühere Modelle. Die verwendete Übertragungstechnik im 2.4 Ghz-Band ist allerdings zu keinem bekannten Standard (Spektrum, Futaba, IFS) kompatibel. Da bleibt sich Walkera selber treu, denn schon bei den 35/40 Mhz-Systemen kam ein proprietäres PCM-Protokoll zum Einsatz. Das Rückgrat der Mechanik bildet ein Vierkant-Aluprofil, an dem alle Einheiten befestigt sind. Dies ergibt eine stabile und leichte Mechanik. Vier Motoren des - gemäss Walkera - Typs 370 SH kommen zum Einsatz; sprich also, ganz normale Standard-Bürsten-Motoren. Der Empfänger ist eine 3in1-Einheit und deshalb kann nicht einfach mit einem Wechsel des Empfängers auf eine andere Funktechnik umgerüstet werden. Der Drehzahlregler für die vier Motoren ist eine separate Einheit. Aufgrund der verwendeten Motoren und des angegebenen Rotordurchmessers, wie auch der Farben der eloxierten Aluteile könnte man zum voreiligen Schluss kommen, Walkera habe einfach zwei 53#1-Mechaniken zusammengekoppelt. Dem ist aber nicht so !! Gerade die Taumelscheiben unterscheiden sich durch ganz andere Befestigungspunkte von den Teilen des 53#1-Modells. Auch die Längen der Rotorwellen sind nicht gleich. Überall ist von einem Rotordurchmesser von 450 mm zu lesen. Dies stimmt aber gar nicht! Der Rotor hat effektiv einen Durchmesser von 393 mm. Des Rätsels Lösung, ich mutmasse mal: Der Heli wurde tatsächlich mit einem Rotorkreis von 450 mm geplant. So wurden auch sämtliche Unterlagen mit diesen Angaben erstellt: Bedienungsanleitung, Webseite, Verkaufskartons, usw. Man wollte die Rotorblätter des 53#1 verwenden, denn der HM-38 hat die gleichen Blatthalter; und so hätte sich auch der 45cm-Rotorkreis ergeben. Nun ist es aber so, dass sich bei der geplanten Länge der Mechanik die vorderen und hinteren Rotorkreise überlappt hätten! Die Abbildung in der Bedienungsanleitung zeigt genau das, schauen Sie mal genau hin! Nun wäre diese Überlappung an und für sich noch kein Beinbruch, da durch den höhenmässigen Versatz der Rotorkreise vorne und hinten die Blätter vertikal separiert ineinander gekämmt hätten. Das hätte vielleicht im Schwebeflug funktioniert, aber war wäre passiert bei plötzlichen, harten und grossen Steuerausschlägen mit den entsprechenden Auslenkungen der benachbarten Rotorkreise?

Schlussendlich waren die chinesischen Helibauer von dieser Konstruktion doch nicht restlos überzeugt und entschieden in letzter Minute auf Nummer sicher zu gehen und den Heli mit kürzeren Blättern auszurüsten; und mit diesen können sich die vorderen und hinteren Rotorkreise nicht mehr gegenseitig in die Quere kommen. Da aber inzwischen bereits alle Anleitungen und Verpackungen gedruckt waren, hat der Tandemheli auf dem Papier nach wie vor 450 mm Rotordurchmesser. Die Blätter sehen übrigens auch genau so aus wie einfach gekürzte 53#1-Teile... wahrscheinlich wurde ein Mitarbeiter eigens dafür abgestellt, die benötigten Rotorblätter durch Absägen normaler Big-Lama-Blätter herzustellen. Vor dem Betrieb habe ich das Modell erstmals einer genaueren Inspektion unterzogen. Die Verarbeitung und Montagequalität ist gut, da gibt es nicht viel zu beanstanden; keine losen oder überdrehten Schrauben und korrektes Zahnflankenspiel an allen vier Getrieben. Einzig die verwinkelte Anlenkung von den zentral angeordneten Servos zu den Taumelscheiben hat bei meinem Exemplar ein wenig Spiel, vor allem die Lagerachsen der 90°-Umlenkhebel selber haben - trotz oder gerade wegen der Kugellagerung - merkliches Spiel. Inwiefern das im Flugbetrieb eine Rolle spielt, werden wir noch sehen. Was mir weiter auffiel, sind die recht kleinen Ausschläge der Taumelscheibe beim Testen der Fernsteuerung, scheint alles auf möglichst hohe Flugstabilität getrimmt und nicht auf agiles Herumkurven. Natürlich kann man die Servoausschläge mittels einem Potentiometer am Empfänger vergrössern und notfalls auch die Gestänge weiter aussen einhängen. Ich habe dies aber bewusst unterlassen, um mal abzuwarten, wie sich der Heli "out of the box" fliegen lässt. Die Motoren habe ich - so wie ich es seit Jahren mit Bürstenmotoren mache - erstmals sorgfältig einlaufen lassen. Ich weiss, über das Thema Einlaufenlassen von Elektromotoren gehen die Meinungen weit auseinander; ich jedenfalls habe nur positive Erfahrungen damit gemacht und habe mein eigenes Prozedere! Der Lader für den LiPo-Akku ist offensichtlich das gleiche Modell, wie es den kleineren Koax-Helis beiliegt. Mit einem Ladestrom von 0.8 A mag er gut sein für die kleinen 800 mAh-Packs, zum Laden des 2200 mAh-Akku ist er völlig unterdimensioniert; das Laden würde ewig dauern! Hier sollte Walkera nachbessern und ein etwas adäquateres Ladegerät beilegen. Aber fast jeder Modellbauer hat ja auch ein "richtiges" Ladegerät und so wird der Akku kurzerhand am Bantam BC-6 angestöpselt und geladen. Der Erstflug fand dann im Wohnzimmer statt. Den geladenen Akku einsetzen, dann zuerst den Sender einschalten und nun geht das Gefummel los: den Akku im Modell anstecken und dieses dabei möglichst nicht bewegen, weil sich der Gyro initialisiert. Für diese Prozedur habe ich höchstens 10 Sekunden Zeit: das ist nämlich die Dauer, die nach dem Einschalten des Sender zum "Binding" des Empfängers verbleiben. Im Unterschied zu anderen 2.4 Ghz-System wird hier der Empfänger jedesmal von Neuem an den Sender gebunden, und dafür bleiben nach dem Einschalten des Senders 10 Sekunden Zeit. Die LED's am Sender blinken während dieser Phase.
Hat die Zuordnung nicht geklappt, muss der Vorgang wiederholt werden: Sender aus- und wiedereinschalten und los geht es von Neuem. Schade, dass man den Empfänger nicht dauerhaft zuordnen kann, so wie es andere 2.4 Ghz-Systeme bieten. Im Flugbetrieb konnte ich bis heute mit der neuen Steuerung keinerlei Probleme oder Störungen feststellen; ist doch selbstverständlich, meinen Sie jetzt. Ja, sollte es sein, aber die bisherigen 35/40 Mhz-Koax-Helis von Walkera hatten einen zweifelhaften Ruf bezüglich der Qualität der RC- und Elektronikkomponenten. An meine blutig geschlagenen Finger wegen des unkontrolliert mit Vollgas hochdrehenden Walkera-Koax kann ich mich noch gut erinnern. Aber bei den neuen 2.4 Ghz-Systemen scheint das jetzt Vergangenheit zu sein. Dann langsam Gas gegeben, die vier Rotoren setzen sich in Bewegung. Der Sound der vier Motoren ist nicht schlecht, obwohl ich mir gerade vorstelle, wieviele Ampère Strom wohl gerade durch die Kabel fliessen! Beim Abheben will der Heli schnurstracks rückwärts fliegen, ich muss gegensteuern und die Nicktrimmung ganz nach vorne an den Anschlag schieben, so bleibt er nun grad im Schwebeflug. Nicht ganz optimal, dass ich nun keine Trimmreserve mehr habe. Werde wohl den Schwerpunkt nach vorne legen oder die Gestängelänge anpassen müssen. Der Heli schwebt nun vor mir, lässt sich gut kontrollieren. Ganz beachtliche Luftverwirbelungen erzeugt der grosse Heli in meinem Wohnzimmer; kein Vergleich zu einem 34-cm-Koax oder auch zum 53#1! Hier ist wohl die Grenze von "wohnzimmertauglich" erreicht oder vielleicht bereits überschritten. Der Heli selber gerät auch immer wieder in seine selbsterzeugten Turbulenzen und will permanent gesteuert werden. Die Reaktionen auf Steuereingaben sind nicht gerade als agil zu bezeichnen. Eher träge und auch mit einer kleinen Verzögerung folgt er den Kommandos; vorausschauend steuern ist nötig. Vergleichbar, als würde man von einem Mini Cooper auf einen Sattelschlepper umsteigen. Flugzeit im reinen Schwebeflug etwa 9 Minuten; da der Heli über keinen LiPo-Wächter verfügt, bin ich beim ersten Anzeichen von nachlassender Leistung gelandet.
Was mir aufgefallen ist: im Schwebeflug gab es ab und zu Momente, wo sich kurzzeitig Drehzahlunterschiede zwischen den vorderen und hinteren Rotoren ergaben, und dies, obwohl ich den Gasknüppel nicht bewegt habe! Die Unterschiede waren immerhin gross genug, dass man sie hören und auch in den Reflektionen der Rotorkreise sehen konnte. Hat da Walkera etwa eine Nickstabilisierung über die Drehzahlsteuerung vorne/hinten eingebaut? In der Anleitung gibt es keine Hinweise dazu, nur der Satz zum Einstellen der Kreiselempfindlichkeit über das Potentiometer, wie bei allen Koax-Helis. Offen gelassen wird, welcher Kreisel gemeint ist, aber wahrscheinlich derjenige, der die Hochachse stabilisiert. Obwohl beim Tandemheli die Hochachse ja nicht mit der Rotorachse fluchtet, so wie beim normalen Koax-Heli. Fazit: Nach einigen Flügen mit dem Heli zeichnet sich ein durchaus positives Bild, das Flugbild ist toll und die Komponenten (Akku, Motoren, Regler) nach einem Flug sind handwarm; kein Vergleich zu den glühend heissen 180er-Motoren bei der 34cm-Fraktion. Die Qualität und die Verarbeitung sind gut, auch bei den immer wieder als Schwachpunkt kritisierten RC- und Elektronikbauteilen von Walkera scheint sich seit der Einführung der 2.4 Ghz-Technik einiges verbessert zu haben. Von der Grösse her ist der Tandem-Heli hart an der Grenze, was man noch als "wohnzimmertauglich" einstufen kann. Wohler fühlt sich der Heli (und der Pilot) wahrscheinlich eher in einer grossen Halle. Für den Outdoor-Einsatz gilt das, was für alle Koaxial-Helikopter gilt, und dies trotz der Grösse und dem Gewicht des HM-38. Nur bei Windstille oder wirklich sehr wenig Wind (im Sommer am besten am Abend) fliegen!


Parkzone Piper Super Cub

 

Der Erstflug fand an einem sonnigen Herbsttag statt. Nach dem Einsetzen des vollgeladenen LiPo-Akkus mit 2200 mAh Kapazität und dem obligatorischen Rudercheck stand ich nun vor der Entscheidung: Boden- oder Handstart. Ich entschied mich für den ersten Start für einen Bodenstart auf dem geteerten Weg. Langsam Gas geben, mit dem Seitenruder die Spur halten und nach etwa 5 - 7 m hebt das Modell ab. Ich steige langsam mit knapp 2/3-Gas auf etwas Sicherheitshöhe. Nachtrimmen ist praktisch nicht nötig, ein Klick Höhenrudertrimm reicht aus. Ein paar Platzrunden gedreht, das Modell verhält sich genau so, wie man es von einem gutmütigen Trainer erwartet, nämlich sprichwörtlich lammfromm. Um die Höhe halten zu können, reicht etwas mehr als Halbgas. Das Modell lässt sich sehr langsam fliegen, in ausreichend Höhe provoziere ich probehalber den Strömungsabriss; das Modell kippt über eine Fläche ab, fängt sich aber sofort wieder. Auch ein paar Anflüge ohne Motor probiere ich aus, um die Gleitflugeigenschaften etwas auszuloten. Ich erfreue mich an langsamen Vorbeiflügen in etwa 50 - 100 cm Höhe, das Flugbild ist wirklich toll! Der Motor und das Getriebe schnurren hörbar, aber nicht aufdringlich oder gar kreischend vor sich hin. Sobald man Gas gibt, liegt sofort verwertbare Leistung an, das Modell beschleunigt augenblicklich. So ist die Kombination aus Originalmotor und -getriebe mit dem 3-zelligen LiPo-Akku als durchaus gelungen zu bezeichnen: Leistung ist jedenfalls genügend vorhanden.
Mir ist klar, dass jetzt einige Skeptiker einwenden, der Motor würde mit dreizelligem LiPo-Akku nicht lange leben, da die anliegende Spannung ausserhalb seiner Spezifikationen liegen würde. Nach vielen Jahren Erfahrung muss ich aber sagen, dass die Motoren recht langlebig sind, auch wenn sie mit Überspannung betrieben werden. Dass dem so ist, gilt es jedoch einige Punkte zu beachten; vor allem eine gute Kühlung ist wichtig. Nach knapp 25 Minuten (ja, Sie haben richtig gelesen: 25!) setze ich zur ersten Landung auf der Teerstrasse an: und die Erde hat sie wieder, die Super Cub! Akkuwechsel und der nächste Start steht bevor, diesmal versuche ich den Handstart: etwa Dreiviertelgas und das Modell leicht waagrecht nach vorne schieben: voilà, sie fliegt. Eine Speerwurfausbildung ist überhaupt nicht nötig, von Wurfstart kann hier keine Rede sein. Nach etwa 15 Minuten Flug versuche ich nun einmal eine Landung auf der frisch gemähten Wiese. Da diese natürlich keine Golfrasenqualität aufweist, stelle ich mich auf einen Kopfstand des Modells nach dem Aufsetzen ein; ein sauberes Ausrollen mit den Original-Rädern auf der vorhandenen Landefläche wohl eher unwahrscheinlich. Also mit Minimumgeschwindigkeit angeflogen und aufgesetzt, das Modell rollt noch etwa einen Meter, dann kommt der erwartete Kopfstand. Aber nichts passiert, die Landegeschwindigkeit ist so niedrig und das Modell genügend stabil; wichtig ist einfach, den Motor vor dem Aufsetzen auszuschalten, damit nicht der drehende Propeller Bodenkontakt bekommt.

Es folgt wieder ein Handstart - genauso problemlos wie der erste. Inzwischen hat der Wind aufgefrischt und macht mit ruppigen Böen auf sich aufmerksam. Einige Male wird das Modell von solchen erfasst und in beachtliche Querlage geworfen. Hier wünschte man sich Querruder, um solche Windeinflüsse aussteuern zu können. Alleine mit dem Seitenruder dauert es doch einige Zeit, bis die Tragfläche wieder in die Horizontallage zurückgedreht ist, und die nächste Böe kommt bestimmt... Hier sind wohl die Grenzen der Einsatzmöglichkeit erreicht, denke ich mir gerade: wirklich windige Tage sind wohl besser zu meiden. Ist ja auch nicht anders zu erwarten, bei einem Hochauftriebsprofil und der relativ geringen Flächenbelastung und das ganze ohne Querruder. Also lande ich das Modell wieder und freue mich an den schönen Flügen heute. Beim Laden der Akkus zuhause habe ich beim LiPo-Pack, das für den fast 25-minütigen Flug verwendet wurde, knapp 1400 mAh nachgeladen. Ein ziemliches Stromsparmodell, diese Super Cub mit dem 480er-Getriebeantrieb. das könnte auch ein Brushless-Outrunner nicht besser! Der Antrieb passt sehr gut zu diesem Modell, es ist damit sicherlich nicht übermotorisiert, hat aber in jeder Situation immer noch das nötige Quäntchen Reserve. Für die Anfängerschulung am Doppelsteuer ist das Flugzeug auf jeden Fall sehr gut geeignet. Gutmütige Flugeigenschaften, mit gut 120 cm Spannweite nicht zu klein, ausserordentlich stabil und auch preislich durchaus im Rahmen. Als Aufwertung könnte man noch den Umbau auf Querruder in Betracht ziehen; dies sollte sich mit überschaubarem Aufwand verwirklichen lassen.


 

Robbe Parabolic

Zu diesem Modell bin ich eigentlich gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. Weil meine CULARIS noch nicht einsatzbereit war und ich gerne kurzfristig einen neuen, handlichen Elektrosegler in Betrieb genommen hätte, kaufte ich einen bereits gebauten Parabolic. Das Flugzeug war mit dem Standard-Brushless-Antrieb und dem dazugehörigen Regler von Robbe ausgestattet. Das erste, was mir bei diesem Modell aufgefallen war, ist die überall an den Rändern abstehende Dekorfolie. Ich sehe mich schon mit dem Föhn in der Hand - nach dem Entfetten der Kontaktflächen mit Wundbenzin - die widerspenstige Folie wieder befestigen. Der Flieger entsprach punkto Bauausführung nicht gerade meinem Standard und meinen Vorstellungen von sauberem Zusammenbau. Der Erbauer hatte in den Ruderflächen sowie dem Höhenleitwerk zusätzliche Verstärkungen aus CFK-Profilen eingebaut. Dazu hatte er Schnitte in den Schaum gemacht und die dünnen Profilstreifen - leider nicht ganz fachgerecht - hineingeklebt. Spürbare Auswirkungen auf die Flugeigenschaften hatte dies allerdings keine, es war mehr ein optischer Makel. Das Modell war zudem mit gelber Farbe aus der Sprühdose teilweise lackiert worden, die Farbe haftete allerdings nur schlecht und blätterte stückchenweise wieder ab. Der Flugbetrieb Nachdem ich viel über diesen Flieger gelesen habe und auch in Internet-Foren die Threads darüber mitverfolgt habe, bin ich nun aber etwas enttäuscht von den Leistungen; hätte durchaus etwas mehr erwartet. Ich bin nun auch etwas "confused": was für ein Flieger (so stock aus der Schachtel heraus) soll das nun sein: ein Hotliner, ein Thermiksegler, ein Hangsegler oder etwa ein Modell für "fortgeschrittene" Anfänger?

Handstart, alles OK, der Flieger zieht sauber weg, zwei Klicks Höhenrudertrimm und der Parabolic steigt zügig, aber nicht raketenmässig in den Himmel; wohlgemerkt, der Flieger ist mit dem "Serienantrieb" unterwegs. Dann auf ausreichend grosser Höhe, mal sehen was der kann: also Kopfstand und es geht senkrecht gen Erdmittelpunkt, der Flieger beschleunigt, aber richtig schnell wird er nun auch nicht. Dann am Minimum scharf abgefangen und auf 5 m Höhe mit "Highspeed" über den Platz. Hinten wieder hochgezogen, aber die Luft ist draussen, der Speed ist verpufft und ich kann die Geschwindigkeit nicht mehr in Höhe umwandeln, also starte ich den Motor. Fazit: Duchzug schlecht oder nicht vorhanden (gut, man müsste den Flieger halt aufballastieren, ich denke so an 200-300g). Also nächste Disziplin: Thermiksuchen. Leider Fehlanzeige, der Segler strebt unaufhörlich Mutter Erde zu, obwohl sicher verwertbare Thermik vorhanden gewesen wäre. Mit meinem alten Thermiksegler FLASH wäre ich sicher oben geblieben. Dann zur Landung: es sei vorweggenommen: kein Problem. Man kann den Anflug gut einteilen, ich flog auf einem kleinen, abschüssigen Feld, das westseitig von einem Wald begrenzt wird. Schön anfliegen, 30 cm über dem Boden aushungern und der Parabolic plumpst sanft vor meinen Füssen ins Gras, absolut problemlos und unkritisch. Querruder habe ich keine hochgestellt, die Geschwindigkeit kann gut reduziert werden und der Flieger bleibt lammfromm. Der Akku ist nach dem Flug handwarm, der Regler lauwarm, also alles im grünen Bereich. Nun weiss ich aber immer noch nicht, als was ich den Flieger nun einordnen soll. Vielleicht noch als Hangfräse (Zitat Werbung), was ich heute aber leider nicht testen konnte. Die erreichbare Geschwindigkeit im reinen Segelbetrieb und die Steigrate mit dem Standardantrieb sind eher moderat, der Durchzug (ohne Ballast) faktisch nicht vorhanden.
OK, ich gebe es zu, vielleicht bin ich zu vorbelastet mit F5D-Zeugs à la EXITE. Thermikfliegen mit dem Parabolic kann man schlicht vergessen. Sicher kann man durch Tuning-Massnahmen oder Aufballastieren noch etwas herausholen, aber so aus dem Karton heraus würde ich den Flieger als kreuzbraves und gutmütig zahmes Modell für den "fortgeschrittenen" Anfänger bezeichnen, also einer, der bereits ein querrudergesteuertes Modell im Stile eines Easy-Gliders sicher steuern kann. 2. Flugtag War gerade vorhin noch zwei Akkus fliegen mit dem Parabolic. Es herrscht heute mässiger Westwind und so ging ich an einen Hang mit Westausrichtung. Der Wind reichte knapp, um den Flieger (allerdings in sehr grosser Höhe mit bei dieser Grösse entsprechender schlechter Erkennungsmöglichkeit) mal zu "parkieren"; ja es kam noch besser: sogar rückwärts fliegen kann der! In tieferen Lagen war es allerdings nicht möglich, das Flugzeug auf Höhe zu halten, obwohl es an manchen Stellen auch ein wenig - allerdings zerrissene - Thermik gab. Immer wieder musste ich mit Motorkraft auf eine grössere Ausgangshöhe steigen. Was mir auch aufgefallen war, ist die absolut katastrophale Seitenruderwirkung. Die Ausschläge sind in einem ganz normalen Bereich eingestellt, aber beim Fliegen dachte ich zuerst, das Servo sei defekt: praktisch keine Ruderwirkung vorhanden. Grenzbelastungen beim Schaumflieger Bei einem Abfangen aus grosser Höhe mit senkrechtem Anstechen hat es mir auf einer Seite der Fläche den vorderen Carbon-Stab "ausgebaut", und zwar etwa die ersten 20 cm vom Rumpf weg. Obwohl gut mit Sekundenkleber geklebt, hat er einfach die ihn umgebende Schaumschicht mitgerissen. Hab ich aber heute morgen wieder mit reichlich Sekundenkleber an seine ursprüngliche Lage zurückmontiert. Dies zeigt wohl die Grenzen der Schaumflieger: obwohl die Tragfläche wirklich extrem verstärkt ist, biegt sie sich beim scharfen Abfangen reichlich durch und auch die Karbonholme können die Energie nicht aufnehmen, weil die Schnittstelle Karbonstab-Schaumstoff keine grossen Kräfte aufnehmen kann.
Das aufgeklebte Dekor könnte hier noch einen Hauch mithelfen, die Energie besser zu verteilen, allerdings klebt die Folie dermassen schlecht, dass auch das wohl nichts hilft. Es ist mir aufgefallen, dass viele den selbstklebenden Dekorbogen nicht verwenden und das Modell mit Farben individuell lackieren. Die schlechte Klebekraft der Folie ist ja hinlänglich bekannt und hier sollte Robbe auch wirklich nachbessern. Allerdings ist die Folie nicht nur zum Verzieren des Fliegers gedacht. Vielmehr soll durch Aufbringen der nicht dehnbaren Folie auf Ober- und Unterseite der Tragfläche die Torsionssteifigkeit erhöht werden, es ist praktisch eine Verkastung (wie eine Beplankung bei einem Rippenflügel), die ein Verdrehen des Flügels verhindern soll. Auch sollte man vor dem Aufbringen der Klebefolie unbedingt die Schaumstoffteile mit Wundbenzin reinigen, um allfällige Trennmittelrückstände zu entfernen. Also müsste man konsequenterweise beim Weglassen der Originalfolie irgendein anderes, möglichst nicht dehnbares Material aufkleben. Ich denke, viele sind sich gar nicht bewusst, dass die Folie auch zur Erhöhung der Festigkeit aufgeklebt werden sollte. Für den Preis ist der Flieger OK, würde ich meinen, aber von einem Hotliner zu sprechen, würde ich als ziemlich übertrieben bezeichnen, davon ist das Fliegerchen Lichtjahre entfernt. Dafür habe ich jetzt ein neues Allzeit-Bereit-Fliegerchen, das komplett zusammengebaut auf die Heckablage passt!